Diese Woche steht bei mir wohl mal wirklich wieder alles unter dem Stern der Blogartikel, nach langem durchstöbern hat mich doch jetzt echt die Lust ergriffen ein paar Worte mehr zu schreiben und so ziehe ich mein kleines persönliches Resumé vom letzten Typostammtisch der unter dem Motto der Pecha Kucha Night stand. Als ich davon hörte, war mir sofort klar dass das die Chance war endlich mich noch mehr Leute vorzustellen. Ob mir das jetzt gelungen ist, sollen die Anwesenden selber beurteilen, ich hatte zu mindestens das Gefühl dass mein Vortrag amüsant und zum anderen aber auch reich mit Inhalt und interessanten Anekdoten gefüllt war.
Wie es sich gehört war mein kleiner Vortrag erst einen Tag davor fertig und das Thema, nennen wir es ein Art von Selbstvorstellung hatte ich auch erst in der Woche selber gefunden. Lange, gut 5 Wochen, konnte ich überlegen über was ich in den 6:40 Minuten referieren kann und am Ende kam nur das raus. Für die nächste Pecha Kucha Night suche ich mir ein anderes Thema, aber soviel steht fest, ich mach wieder mit und wenn ich extra dafür aus Trier anreisen muss. Der Abend war sehr interessant und reich gefüllt mit kleinen Anekdoten und ich habe mal wieder gesehen, wenn der Vortragende ein Bier mehr getrunken hat wird der Vortrag um einiges lustiger aber auch meistens persönlicher und informativer.
Die 20 Folien waren ziemlich genau in der Hälfte geteilt. Die ersten zehn drehten sich um Musik und Schrift, die Liebe zum Einen und die Projektionen aufs nächste Laster und die letzten Zehn um Buchstaben in Reinform. Grundsätzlich wollte ich meine Leidenschaft zur Musik und hier im Speziellen des Dj’s mit dem Schriftgestalter vergleichen, dieser Vergleich ist zwar an jeder Stelle 100% übertragbar aber Parallelen gibt es doch ein ganze Menge. In der Folie (Bilder: Time Magazine) oben sieht man ganz links den Musiker, in der Mitte das übertragende Medium, der DJ und ganz rechts der Verbraucher, sei es jetzt der Musik-interessierte oder alltägliche Empfänger. Diesen 3 Positionen kann man auch fast gleich setzten mit dem Schriftgestalter, dem Designer (der hoffentlich weiß, was er macht und mit den Schriften richtig umgeht) sowie den Konsumenten von Schrift, in der heutigen Zeit natürlich in jeglicher Form, aber auch hier gibt es den interessierten, der vielleicht schon mal von der Akzidenz- Grotesk gehört aber auch die breite Massen an den die sich berieseln lassen und Comic Sans immer noch für gut befinden. Ist es unverschämt, diese Person gleich zu setzten mit Leuten die im 3-Monats Rhythmus sich die Bravo-Charts kaufen, nach Mallorca fahren und derzeit lauthals durch die Straßen ziehen (neuestes Gimmick sind ja wohl Scharz-Rot-Goldene Stoffkondome für die Außenspiegel). Anm.d.Autors, zum Glück hat keiner von denen den Artikel auch nur ansatzweise bis hier hin gelesen.
Früher war alles besser, größer und auch schwerer. Nicht jeder konnte Drucken und auch nicht jeder konnte sich Dj nennen. Entweder hast du für dich selber irgendwann den Entschluss getroffen dich mehr mit dem Thema auseinander zu setzten und auch Geld dafür auszugeben, weil Blei und Vinyl gab es einfach nicht an jeder Straßenecke, oder eben nicht. Einfach mal ein wenig kaufen und schauen gab es nicht, vielleicht war die zweite Alternative immerhin noch Lettraset und Tapes aus dem Radio aufnehmen (Auf meinem ersten Tape stand Ewrising kaunts, da ich der englischen Sprache mal so was von nicht mächtig war und den Titel des Depeche Mode Albums davor auch noch nicht gedruckt gesehen habe. Ein hoch auf Elf99)
Man soll natürlich nicht immer nur meckern und die heutigen Möglichkeiten als Chance sehen, trotzdem verfluche ich immer noch alle hochnäsigen Laptop-Dj’s, die nur noch den Sync-Button zum Angleichen der Geschwindigkeiten kennen und dann in der Ecke stehen um mit den Girls zu flirten (grundsätzlich ist gegen Flirten aber nichts einzuwenden). Meine Chance war natürlich auf der anderen Seite die Bekanntschaft mit Fontlab, im ersten Zuge auch dem Internet und auf einmal brauch man nicht mehr den Händler seines Vertrauens sondern nur noch diese eine große Suchmaschine. Gesammelt wird jetzt noch umso mehr, da Festplatten keine Grenzen mehr kennen, nur den Überblick verliert man umso schneller bei der heutigen Flut an täglich neuen Sachen.
Ich betrachte das ganze immer noch sehr zwiespältig und beobachte so langsam auch wieder einen Trend in eine andere Richtung. Es ist nicht nur so, dass Digital die Zukunft ist, sicherlich das große Standbein in Zukunft aber die Spezialisierung und Verfeinerung einer bestimmten Technik und in einem Wissensgebiet bringt einen immer wieder zurück zum analogen. Kein E-Paper, oder ein iPad wird je an das haptische Gefühl einer Visitenkarte aus der Druckerey ran kommen oder an limitierte Siebdrucke für Konzerte, aber das ist halt jetzt die Nische und ich freue mich dass es diese weiter gibt und es in Zukunft sich immer wieder Idealisten die diese Sachen fortführen.
Meine Einflüsse in der Musik lassen sich auch sehr gut Vergleichen mit den Ideen die ich in der Schriftgestaltung habe. Man fängt immer an einem bestimmten Punkt an sich für etwas zu interessieren, das war in der Musik der Rap, gefolgt von der Frage wo kommt die Musik eigentlich her also ging es rüber zu Funk und Soul als nächstes Standbein und versuche die Wurzeln und das Samplen von Grandwizard Theodore auf Parties zu verstehen. Dann kam das große Desinteresse, ausgelöst durch den zu starken Medienhype und der gesellschaftlichen Akzeptanz von 50Cent und Black Eyed Peas. Rap war kein Schimpfwort in diesem Sinne und ich erinnere mich gerne an das erste Freestyle-Tape von 50Cent oder die erste Black Eyed Peas Platten in der Pre-Fergie Zeit, die waren fett (ugs.: phatt). Kommt Zeit, kommt Hype, kommt Geld.
Wenn man keinen Spaß mehr an etwas hat, gibt es nur eine Möglichkeit. Der gesunde Schritt zurück ohne den Druck für jedermann die Jukebox zu sein und sich freuen wenn eine Party mit 150 man genauso rockt wie mit 900 man oder mehr. Mein Schritt (zurück war in dem Fall nach vorne) war der richtige. Die Musik die Leute zum tanzen bringt kann man in kein Genre packen. Es wird heiß, es wird dreckig und die Leute haben Spaß. So ähnlich sehe ich mich in der Schriftgestaltung, ich möchte mich ausprobieren, spielen, Kind seien, Sachen miteinander kombinieren aber genauso auch mich mit klassischen Sachen auseinander setzten und bestehendes verstehen. Facetten sind wichtig und wenn man von der Bedeutung des Wort stereotypisch augeht, könnte der Begriff nicht schlechter gewählt worden sein um so meine eigene kleine Foundry zu nennen aber darum ging es mir nicht. Es geht immer nur um das eine, die Liebe und die Leidenschaft zur Musik und zu den Buchstaben.
Wenn ich im Nachhinein, die 3-reihigen Bilder im oberen Abschnitt resümiere, fehlt mir nur noch eine der sechs Tätigkeiten hinter die ich noch keinen Hacken machen konnte. Der Musiker. Vielleicht ist es endlich mal an der Zeit MC Lieb feat. MC Nett auf die Welt los zu lassen, alle Schwiegermütter haben uns lieb weil wir haben sie lieb.
Und an dieser Stelle verabschiede ich mich jetzt mit einem kleinen Werbeblock. Das Datum auf den Flyer ist zwar falsch aber die Emotionen nicht. Freitagabend werden Berni und Ich wieder im nettesten und einzig wahrem Club in Trier unsere allseits berüchtigte Party feiern. Totally wasted … but Yeah. Und ich freue mich jetzt schon wieder darauf wenn mir Bier und Jägermeister gereicht werden, ich um 4 nichts mehr sehe und mit der Wand tanze. Nicht zu vergessen das Flirten. Gefühle zeigen ist so was von 2010.








Sascha. Danke für diesen wunderbaren Artikel! Die 6.40 hätt ich zugerne gesehen- naja, ich denk mir die timplansche Intonation zwischen den Zeilen und genieße das geschriebene wort. Im ernst, ich finde es großartig, wenn man sich auf eine so ernsthafte art und weise mit der eigenen materie, arbeit, liebe auseinandersetzt und die headz teilhaben lässt. Dicke, warme props in die hauptstadt auch für die Marie. simón.